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Noch mehr Historisches

Das Heimet Kneiwies auf Gitschenen ist ein markanter Platz auf der Alp. Am Rundweg gelegen, ca. 10 Minuten von der Seilbahn entfernt, kennen viele Besucherinnen und Besucher den Hof der Familie Furrer auf rund 1600 Metern über Meer. Zwei Wohnhäuser, ein Stall, ein Gaden und ein bunter Kräutergarten bilden zusammen eine kleine Siedlung.
Ein Blick in die vergangenen 125 Jahre zeigt, dass dieser Ort eine interessante Geschichte hat. Es fängt schon beim Namen an. Im Laufe der Zeit haben sich für ein und denselben Bergbauernbetrieb verschiedene Schreibweisen entwickelt. Bis 1936 war im Grundbuch der Eidgenössischen Landestopographie «Kneuwis» eingetragen. Die Bezeichnung wechselte danach zu Chneuwis.
So ist es auch auf der kürzlich erschienenen neuen Urner Wanderkarte (Blatt Urnersee) vermerkt. In der Mundartsprache heisst das Heimet ganz einfach Chneiwis, in der Amtssprache Kneiwies.

Um 1880 kaufte Alois Gisler (Bärchi Wisi) von Joseph Arnold (Holzschuenis) Alp und Berg Kneiwies und das damit verbundene Alprecht auf Bolgen. Bärchi Wisi hatte zuvor schon die Schwendi (wo er wohnhaft war) und das Lanzigschwand erworben.
Zudem war er im Besitz des Berggutes Schwybalm und der Kneiwies: Ein Heimet mit Zukunft nahe gelegenen Alp Geissboden. Die damalige Schwybalm ist der untere Teil vom heutigen Kneiwies, beim Kneiwies-Port nahe dem Wohnhaus der Familie Aschwanden. Das Kneiwies um 1880 - also in der Bauzeit des Gotthard-Eisenbahntunnels - bestand zum grossen Teil aus Alpland und hatte nur einen geringen Anteil Heuland.
Die Gebäude (Hütte und Stall) waren demzufolge auf den Alpbetrieb ausgerichtet. Die Familie Gisler wohnte in den Gebäuden der Schwybalm, wo ein relativ geräumiges Wohnhaus und ein grosser Stall vorhanden waren. Das Leben auf der Alp war damals um einiges rauer als heute. Technische Hilfsmittel standen keine zur Verfügung. Alles hing von der harten Arbeit der Hände ab.
Erste fotografische Dokumente geben einen Eindruck, wie es Anfangs des 20. Jahrhunderts auf der Alp ausgesehen hat. Die Gebäude waren aus schweren Holzplanken gebaut, die Wege bestanden nur aus schmalen Steinpfaden und das Vieh ist viel stämmiger als das Braunvieh von heute.

Joseph und Augustin Gisler, die beiden Söhne von Alois, bewirtschafteten die verschiedenen Liegenschaften als Betriebsgemeinschaft.
Als Joseph im Jahre 1906 nach Udligenswil zog, ging sein Besitz an seinen Bruder Augustin. 1915 erschütterte eine Tragödie die Schwybalm. Die gefürchtete Zingel-Lawine begrub den Stall und das Vieh in den Schneemassen.
Man war gezwungen, ins Kneiwies umzusiedeln. Die Alp-Gebäude wurden so weit ausgebaut, dass sie auch im Winter bewohnbar waren.

Das Wohnhaus in der Schwybalm wurde fortan zu Ferienzwecken meist an Basler Familien vermietet, denn das Wohnhaus galt als wintersicher. Alte Ofenkacheln waren mit Jahreszahlen aus dem 18. Jahrhundert versehen. Doch die Lawinen sind unberechenbar: Im Winter 1945 wurde es ebenfalls von den niederstürzenden Schneemassen zerstört. Bis 1937 führten die drei Söhne von Augustin – Augustin jun., Franz und Alois – die verschiedenen Liegenschaften als Familienbetrieb. Bei der Teilung ging das Kneiwies samt Alprecht an Alois. Seit dieser Zeit ist das Kneiwies ganzjährig bewohnt. Alois Gisler verkaufte 1945 das Alprecht Bolgen an die Gebrüder Ziegler, Flüelen, welche damit Alleinbesitzer wurden.

1967 erwarb Tochter Käthy das Kneiwies von ihrem Vater Alois. Gemeinsam mit ihrem Mann Toni Furrer wurden verschiedene Gebäudesanierungen durchgeführt.

Der Anteil Heuland wurde so weit vergrössert, dass fast nur noch eigenes Vieh gesömmert wird. Die insgesamt 15 Grossvieheinheiten im Winter und rund 25 Grossvieheinheiten im Sommer setzen sich aus Kühen, Mais- und Zeitrindern, Kälbern, Ziegen und Schafen zusammen. Käthy und Toni Furrer-Gisler betreiben im Wohnhaus eine Ferienwohnung, bieten «Schlafen im Stroh» an und bauen Kräuter für den schmackhaften und beliebten «Urner Kräutertee» an. In Führungen vermittelt Käthy allen Interessierten Wissenswertes zu Natur und Hof. Antonia Furrer, die zweitälteste der sechs Töchter, bewohnt mit ihrem Mann Armin Bissig und den Kindern Sämi, Florian und Leila das zweite Wohnhaus auf dem Grundstück. Vor allem im Sommer packen sie bei den anfallenden Arbeiten kräftig mit an. Ihr Ziel ist es, den Hof weiterzuführen.

Die junge Familie hat das Kneiwies bewusst und mit Überzeugung zu ihrem Zuhause gemacht und wird in naher Zukunft ein neues Kapitel der Kneiwies-Geschichte schreiben. Von Käthy Furrer-Gisler, Gitschenen, Isenthal Drei Generationen im Kneiwies.